Martha Nemec, D.O. Osteopathin • Physiotherapeutin • Instruktorin Sportklettern

Therapeutisches Klettern

Therapeutisches Klettern ist als eine physiotherapeutische Behandlungsmaßnahme zu sehen und darf nicht mit dem Breitensport Sportklettern verwechselt werden und ist daher auch für jede Altersklasse geeignet!
Dabei ist die Kletterwand als eine Art funktionelle Sprossenwand zu betrachten, also ein Therapiemittel, mit dessen Hilfe auf eine Vielzahl an Krankheitsbildern positiv eingewirkt werden kann. Höhenangst oder ‚unsportlichkeit‘ sind dabei kein Hinderniss.

Ablauf

Je nach Beschwerdebild bzw. Diagnose kann entweder direkt mit der Klettertherapie begonnen oder als ergänzende Therapiemaßnahme eingesetzt werden.

Höhenangst ist dabei kein Hinderniss, da die Therapie in Bodennähe durchgeführt wird und das Klettern mit dem Seil rein freiwillig erfolgt!

In der ersten Einheit eines Therapieblocks wird ein detaillierter Erstbefund erstellt um die Ursache von Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen näher abzuklären sowie um etwaige Kontraindikationen auszuschließen.

Auch wird ein vorläufiger Therapieplan erstellt und festgelegt ob direkt mit der Klettertherapie begonnen werden kann oder vorerst der Einsatz anderer Therapiemaßnamen zielführend ist.

Wie wirkt die Klettertherapie und welche Vorteile hat sie gegenüber anderen Therapiemaßnahmen?

Klettern entspricht unserem ursprünglichsten Bewegungsmuster, dem Krabbeln. Komplexe Bewegungsreize, welche Nahe an unserem eigentlichen Bewegungsmuster liegen, haben deutlich bessere Effekte auf den Körper, als monotone Übungen wie z.B. isoliertes Bauch- oder Rückenmuskeltraining.

Stabilisation und funktionelles Training

Der Körper benötigt in seiner normalen Funktion immer ein gutes Zusammenspiel mehrerer Muskeln (sogenannten Muskelketten) und nie die isolierte Kontraktion eines einzelnen Muskels.

Schon alleine durch das Stehen und Festhalten in der Kletterwand wird eine Vielzahl an Muskelketten funktionell aktiviert. Auch befindet sich der Körper in einem reaktionsfähigeren Zustand, in dem Reize besser aufgenommen und verarbeitet werden können.
Dieser Effekt macht sich insbesondere bei Schwächen im Bereich der Rumpfmuskulatur positiv bemerkbar.

Durch die unterschiedliche Wandneigung kann dabei je nach Bedarf gezielt auf die oberen oder unteren Körperabschnitte eingewirkt werden.

Mobilisation

Im Rahmen einer Klettertherapie können Gelenke – insbesondere Knie, Hüfte, Ellbogen, Schulter sowie weiterlaufend auch die gesamte Wirbelsäule – vor dem Hintergrund einer optimalen Grundspannung funktionell mobilisiert werden.

Durch die unterschiedlichen und teils sehr komplexen Kletterbewegungen wird

  • eine Verbesserung der Durchblutung der Muskeln und Bänder erreicht
  • die Produktion von Gelenksflüssigkeit angeregt und somit Gelenke ‚geschmiert’
  • die Gleitfähigkeit der einzelnen Muskelschichten gegeneinander verbessert

und somit die Flexibilität und Beweglichkeit des gesamten Körpers trainiert.

Koordination

Durch das Klettern werden die Zielmotorik sowie die Hand-Augen-Koordination trainiert. Auch müssen sowohl Arme als auch Beine unabhängig voneinander bewegt und koordiniert werden.

Dieser Effekt ist besonders bei der Therapie neurologischer Krankheitsbilder oder bei körperlichen Entwicklungsdefiziten sehr hilfreich.

In diesem Bereich kommt auch die Spasmus-senkende Wirkung des Kletterns zu tragen.

Einstieg in die Sportart Klettern

Bei Interesse kann das therapeutische Klettern als eine Art Einstieg in die Sportart Klettern genutzt werden. Dabei kann weiterführend eine Einschulung in die Kletter- und Sicherungstechnik unter spezieller Berücksichtigung der individuellen Defizite erfolgen. Somit entsteht ein doppelter Nutzten: Die Therapie kann selbstständig fortgesetzt werden und gleichzeitig eine neue Sportart entdeckt und ausgeübt werden.

In welchen Bereichen findet diese Therapieform Anwendung?

Nach Unfällen bzw. Operationen zur Kräftigung und Mobilisierung von Gelenken, z.B. nach Kreuzbandläsionen, Wirbelbrüchen, Rotatorenmanschetten-Läsionen etc.

Orthopädischer Bereich: Bei funktionellen Beschwerden des Bewegungsapparates wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen z.B. Rückenschmerzen, Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose), Instabilität eines Gelenks, Verspannungen eines Körperbereichs durch einseitige Belastung etc.

Skoliose: Therapeutisches Klettern eignet sich hervorragend zur Therapie von Wirbelsäulenverkrümmungen. Durch eine Kombination aus Schroth-Therapie und Klettern kann so sehr effektiv auf die Mobilisation und Kräftigung der Wirbelsäule eingewirkt werden.

Neurologischer Bereich: z.B.: Multiple Sklerose, Parkinson, Cerebralparesen etc.

Durch die Möglichkeit der Sicherung des Patienten mit dem Seil kann diese Therapie auch für Menschen, die nicht frei stehen oder selbstständig gehen können eingesetzt werden. Auf diese Weise kann sogar ein selbstständiges Fortbewegen ermöglicht werden.
Auch kann das Klettern durch das gezielte Bewegen und Belasten der Extremitäten Spasmus-senkend, bzw. tonusregulierend wirken.

Pädiatrie (Kinder): Durch den spielerischen Charakter des Kletterns ist diese Art von Therapie auch besonders für Kinder geeignet und kann in allen oben genannten Bereichen Anwendung finden.

Bitte beachten Sie, dass das therapeutische Klettern von mir derzeit nur in der Kletterhalle K1 in 6845 Dornbirn durchgeführt wird (siehe auch Anfahrt/Kontakt).